Ivonne Senn

Als ich vor 8 Wochen von Dave Ursillo zu diesem Post inspiriert wurde, hatte ich im Kopf, dass ich zu dem innersten Kreis, der täglichen Praxis, und als Abschluss dieser kleinen Serie ein paar Übungen teile, die man jeden Tag anwenden kann, um ein besseres Gefühl für sein Geld zu bekommen.

Doch dann hatte ich einen totalen Systemabsturz. Mein Körper, mein Geist, ja, sogar meine Seele konnte nicht mehr. Es gab nur noch an – irgendwie in Bewegung bleiben – oder aus – auf der Stelle einschlafen. Aber es gab keine Freude mehr, keinen Spaß, keine Konzentration, keine innere Ruhe.

Meinen Klienten stelle ich immer die Frage: „Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben.“ Und doch hatte ich in den letzten Monaten irgendwie die Antwort darauf vergessen: „Ich.“ Denn es ist einfach so, wenn du dich nicht gut um dich kümmerst, kann du dich nicht gut um anderes kümmern. Und jede noch so kleine Übung, die dein Verhältnis zum Geld (oder zu anderen Menschen oder deiner Arbeit oder, oder, oder) verbessern könnte, strengt dich an und macht alles nur noch schlimmer.

Deshalb sage ich heute, dass die tägliche Praxis ganz woanders anfängt, als ich dachte. Nicht bei kleinen Übungen für den Umgang mit deinem Geld. Sondern bei kleinen Übungen für das Gleichgewicht in deinem Leben.

Als es mir so schlecht ging, erinnerte ich mich an den Vortrag, den Dr. Carolyn Eddleston, TCM-Practicioner aus England, auf der ALIVE-Konferenz in Berlin gehalten hat. Über das in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) geltende Prinzip von Yin und Yang. Von den Gegensätzen im Leben, die wir brauchen, um im Gleichgewicht zu sein. Hell und dunkel. Wärme und Kälte. Arbeit und Ruhe. Und ich erinnerte mich an die Aufgabe, die ihre Ausbilderin ihr damals am Anfang ihres Studiums gestellt hat:

Schreibe eine Woche lang auf, wie viele Yin- und wie viele Yang-Aktivitäten du täglich ausübst. Liegst du am Ende der Woche im Gleichgewicht?

Yin: Alle ruhigen, reflektierenden, friedlichen Aktivitäten. Eine Mittagspause in der Sonne. Yoga. Lange Spaziergänge. In aller Ruhe zu Abend essen. Thai Chi. Massagen. Schlafen. Alles, was Körper, Geist und Seele entspannt.

Yang: Alle Aktivitäten, die dich aufpushen, die Energie benötigen. Sich Gedanken machen, reden, Sport treiben, sich mit Freunden treffen, arbeiten, im Internet surfen, E-Mails/SMS schreiben. Kurz alles, was Körper, Geist und Seele anregt.

Mein Gleichgewicht war vollkommen aus den Fugen geraten. Meine Tage bestanden zu 90 % aus Yang-Aktivitäten: Arbeiten, mir Gedanken um mein Leben, meine Mitmenschen, meine Arbeit machen, den Haushalt schmeißen, meine zwei Hunde nicht zu kurz kommen lassen, Garten neu gestalten, neue Programme entwickeln, einkaufen, kochen, versuchen, zwei Kilo abzunehmen … Um mich mal eine Stunde hinzusetzen und ein Buch zu lesen oder einen Film zu gucken, war ich viel zu unruhig. Und selbst nachts arbeitete ich im Kopf weiter, hatte die wildesten Träume und wachte erschlagen und noch müder als am Abend zuvor wieder auf.

Wie bin ich da wieder rausgekommen?
(Und was hat das mit Geld zu tun???)

Breathe

Da ich mich als Selbstständige schlecht krankschreiben lassen kann, habe ich meinen Tagesablauf umgestellt.

  • Ich bin eine gute Stunde später aufgestanden als üblich.
  • Ich habe mich mehrmals täglich daran erinnert zu atmen – nicht flach und angestrengt, wie wenn ich nicht darauf achte, sondern tief und ruhig und ausgedehnt.
  • Ich habe meine Ernährung auf drei Mahlzeiten und zwei Snacks umgestellt und mir zum Essen richtig Zeit genommen, mich auf die Terrasse gesetzt, ein Buch oder eine Zeitschrift gelesen …
  • Ich habe keine Termine mehr am Vormittag abgemacht, weil ich festgestellt habe, dass das die Zeit ist, in der ich am besten Arbeiten kann, weil nachmittags meine Konzentration nachlässt.
  • An den Wochenenden war arbeiten tabu – was mir sehr schwergefallen ist, woran man sieht, dass es mal nötig war. Den ersten Samstag lief ich rum wie Falschgeld, weil ich innerlich noch viel zu unruhig war, um länger irgendwo zu sitzen oder mich auf etwas zu konzentrieren. Im Laufe der Wochen wurde es aber schnell besser.
  • Ich habe mein winziges Sportprogramm noch weiter heruntergefahren (wenn man sich danach nicht erschöpft fühlt, ist es genau richtig).
  • Die Hunde haben an den meisten Tagen zwei kleine Spaziergänge statt eines großen bekommen.
  • Ich bin zwei Mal die Woche zur Akkupunktur gegangen und bin jedes Mal ohne schlechtes Gewissen für eine halbe Stunde weggenickt.
  • Ich habe jeden Tag mehr auf mich achtgegeben.
  • Und ich habe das Vorhaben, zwei Kilo abzunehmen, auf später verschoben.

Und nun kommt der interessante Teil: Obwohl ich alleine für die Akkupunktur mehr Geld ausgegeben habe, als sonst für einen kleinen Urlaub, sieht man das meinem Kontostand nicht an. Denn trotzdem ich mir viel mehr Auszeiten genommen und mich ausgeruht und um mich gekümmert habe, sind meine Projekte alle genauso schnell fertig geworden wie sonst; teilweise sogar schneller. Wir denken zwar immer, je mehr wir arbeiten, desto mehr schaffen wir, aber das stimmt einfach nicht. Je ausgeglichener wir sind, desto mehr schaffen wir. Ohne Oasen der Erholung zwischendurch schaffen wir bald gar nichts mehr.

So schlimm, wie es bei mir dieses Mal war, ist es zum Glück ja nur selten. Aber auch ein weniger krasses Ungleichgewicht kann auf Dauer verhindern, dass die Energie in deinem Leben richtig fließt. Was auch die Energie in Form von Geld betrifft. Also, wie sieht es in deinem Leben aus? Wie sehr bist du im Gleichgewicht?

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Was meine Klienten sagen:

"Mir Hilfe bei dir zu suchen war die beste Entscheidung, die ich in den letzten Jahren getroffen habe." - Sabrina F. (D)

"Das strukturierte Arbeiten hat mir besonders gut gefallen." - Irene W. (D)

"Wenn du mir vorher erzählt hättest, was sich in diesen vier Wochen Coaching alles für mich verändert, ich hätte es nicht geglaubt." - Michalis P. (Hamburg)