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Wie sehr habe ich den November immer gehasst.
Mit seinem meist trüben Wetter war er der passende Vorbote für die beiden schlimmsten Monate des Jahres.
Den Dezember mit seinen Weihnachtsmärkten und Weihnachtsfeiern und Weihnachtsgeschenken, die ein tiefes Loch in meine eh schon löchrige Kasse gerissen haben.

Und den Januar. Kein Silvesterkater war je so schlimm, wie am 2. Januar auf meinen Kontoauszug zu schauen und zu sehen, dass der Dispo gleich im neuen Jahr ausgereizt ist, weil ich wieder einmal verdrängt hatte, dass alle Versicherungen abgebucht werden.
Es gab niemanden, mit dem ich darüber hätte sprechen können. Das verrieten mir die Reaktionen, wenn ich mal eine Andeutung in diese Richtung gemacht habe.

„Ich verstehe das nicht“ – begleitet von Kopfschütteln. „Du bist doch sonst so clever. Und du verdienst doch so gut.“

Und das stimmt.
Ich habe immer einen Haufen Geld verdient.
Und doch hat es am Monatsende nie gereicht.

 

Ich wusste nie, warum.
Habe Haushaltsbücher geführt, noch mehr gearbeitet, verschiedene Konten angelegt ... Doch geholfen hat nichts davon.
Und so kam ich zu dem Schluss, dass es so sein muss. Dass dieser ständige Druck im Nacken, die leichte Angst, einfach zum Leben - zumindest zu meinem - dazugehören.

Und dann habe ich jemanden gefunden, mit dem ich doch reden konnte.
Und der - bzw. die - mir gezeigt hat, dass es nicht so sein muss.
Dass ich nicht dumm bin. Sondern nur verkehrt denke.

Das erste Weihnachten ohne finanziellen Druck war wirklich ein Fest.
Genau wie der erste Januar ohne Dispo.

Damals habe ich beschlossen, jemand zu sein, mit dem du reden kannst, wenn es dir genauso geht.
Der  - bzw. die - dir zeigt, dass es nicht so sein muss. Dass du nicht dumm bist. Sondern nur verkehrt denkst.
Wenn wir jetzt noch anfangen, könnte dieses Weihnachten für dich schon so entspannt werden wie nie.
Ich bin hier.