Ivonne Senn

Ich hab es mal wieder getan. Ich habe eine ganz normale Woche gehabt – 5 Tage arbeiten, das Wochenende frei. Und nun sitze ich hier am Sonntagmittag und bin … unleidlich. Denn die Fünf-Tage-Woche liegt mir nicht. Es hat lange gedauert, das herauszufinden. Sicher, am Anfang war es gut, so zu arbeiten, wie ich es jahrzehntelang gewohnt war. Vor fünf Jahren, als ich in die komplette Freiberuflichkeit gewechselt habe. Vorher war ich eine sogenannte „feste Freie“, ich habe als freie Mitarbeiterin einen Arbeitsplatz in der jeweiligen Firma meines Auftraggebers gehabt. Inklusive acht Stunden Anwesenheit und einer halben Stunde Mittagspause. Und so saß ich auch in den ersten Jahren zu Hause morgens um 9 Uhr an meinem Schreibtisch und habe bis 17 Uhr gearbeitet. Das hat mir geholfen, in meinem neuen Job anzukommen und zu sehen, ob das, was ich mir vorgenommen hatte, überhaupt zu schaffen war – nämlich zehn Bücher im Jahr zu übersetzen ohne dem Wahnsinn zu verfallen.

Nach gut einem Jahr stellte ich fest, dass ich a) nicht länger als 5 Stunden am Tag übersetzen kann, bevor meine Finger den Geist aufgeben und mehr Tippfehler als brauchbare Sätze produzieren. Und b), dass ich das auch gar nicht musste, weil ich meistens mit meinem Pensum schon gegen 14 Uhr fertig war, selbst wenn ich erst um 10 Uhr angefangen hatte.

Der erste echte Schritt zur Selbstständigkeit

Das war der erste Schritt auf dem Weg zu wirklicher Selbstständigkeit. Ich hatte bemerkt, dass ich vormittags wesentlich besser und schneller übersetzen konnte als nachmittags, also stellte ich für mich die Regel auf:

Die Vormittage sind fürs Übersetzen reserviert, und mehr als einen Vormittagstermin pro Woche gibt es nicht. Was praktisch war, denn parallel habe ich angefangen, mir meine Praxis als MoneyCoach aufzubauen, und alle kreativen und coachigen Arbeiten fielen mit nachmittags und abends wesentlich leichter.

Diese Umstellung hat mir sehr geholfen, strukturierter und entspannter zu arbeiten – und somit auch zu sein. Das Einzige, was immer noch nicht stimmte, war das Wochenende. Zwei ganze freie Tage – und ich wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte, war innerlich unruhig, rastlos, konnte mich nicht entspannen. Habe angefangen, ein Buch zu lesen, nur um nach zehn Seiten zu merken, dass ich nichts mitbekommen habe. Was dann meist dazu führte, dass ich mir spätestens Sonntag nach dem Frühstück meinen Laptop geschnappt und weitergearbeitet habe. Womit ich dann irgendwann bei einer 6-Tage-Woche war, die im vierten Jahr meiner Freiberuflichkeit zu einer Art Burnout geführt hat, weil mein Geist und Körper einfach nicht mehr konnten.

Dass ich dann kurz darauf meinen idealen Rhythmus gefunden habe, war purer Zufall. An einem Donnerstag im Dezember bin ich mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt versackt. Ihr könnte euch ungefähr vorstellen, wie es mir ging, als am nächsten Morgen der Wecker klingelte.  Ich war definitiv nicht in der Lage, aufzustehen, geschweige denn zu arbeiten. Der einzige Gedanke, den mein dicker Kopf formulieren konnte, war „Dann hole ich die Arbeit eben Samstag nach.“ Gedacht, getan. Ein einmaliger Ausrutscher, was soll’s.  In der Woche drauf hatte ich am Mittwoch einen Spanachmittag mit meiner Mutter verabredet. Morgens lag ich im Bett und dachte: „Wäre es nicht schön, schon entspannt dort anzukommen, anstatt direkt vom Schreibtisch loszuhetzen? Ich könnte doch stattdessen wieder einen Tag am Wochenende …“

Die 3-Tage-Woche

Und somit wurde aus dem einmaligen Ausrutscher ein System. Meine 3-Tage-Woche war geboren. Drei Tage arbeiten, einen Tag frei. Egal, welcher Wochentag ist. Das ist für mich im Moment die perfekte Mischung. Stimmt, damit arbeite ich in der Woche mehr als vorher, aber es fühlt sich nicht so an. Der Luxus, an einem Dienstag oder Mittwoch oder Donnerstag einfach auszuschlafen und zu tun, wonach mir ist – mit den Hunden am leeren Elbstrand spazieren, mich mit den Müttern in meinem Freundeskreis zum Kaffee treffen, beinahe ganz allein durch eine Ausstellung schlendern. Und die Entspannung, an einem Samstag oder Sonntag an meinem Schreibtisch zu sitzen und ungestört zu arbeiten, weil garantiert keiner anruft oder eine E-Mail schickt. Zeit zu haben, die Gedanken ein wenig mehr fließen zu lassen, weil über der Stadt diese ganz besondere Wochenendruhe liegt.

Falls du denkst, dass ich sehr privilegiert bin (stimmt) und sich so etwas nicht in jedem Leben umsetzen lässt (stimmt nicht), hier ein paar Beispiele von anderen Menschen zur Inspiration:

  • Eine meiner Kolleginnen im Verlag hat sich die Gleitzeit zunutze gemacht, um morgens um 7 Uhr im Büro zu sein, womit sie um 15 Uhr Feierabend machen kann und den ganzen Nachmittag und Abend für ihre Hobbys frei hat. Eine andere kommt erst um 10 Uhr, weil sie morgens vor der Arbeit gerne ihre Tochter in Ruhe für die Schule fertigmachen und dann zum Sport gehen will.
  • Mein sehr guter Freund und Webdesigner hat jahrzehntelang hauptsächlich nachts gearbeitet – eine Angewohnheit aus den frühen Zeiten des Internets, als man sich noch über Modems einwählen musste und nachts günstigere Tarife hatte. Geschlafen hat er tagsüber, wenn alle anderen gearbeitet haben.
  • Selbst wenn man im Einzelhandel arbeitet, kann man sich eine gewisse Freiheit nehmen. Die Besitzer der meisten Läden im Hamburger Caroviertel scheren sich einen feuchten Kehricht um die üblichen Öffnungszeiten. Sie öffnen ihre Läden in der Woche von  von 12-19.30 Uhr, von 15-17 Uhr, von 14-19 Uhr … und vor 11 Uhr dreht am Samstag auch keiner das Ladenschild um.
  • Oder die Verkäuferin an der Käsetheke in meinem Supermarkt. Als ich sie an einem sehr vollen Samstag bedauerte, dass sie arbeiten muss, hat sie mir erzählt, dass sie die Samstagsschicht freiwillig übernimmt. Sie hasst es, einzukaufen, und schon gar, wenn es voll ist. Also arbeitet sie gerne am Samstag und kann so ihre eigenen Einkäufe an einem ruhigeren Tag schneller erledigen. „Außerdem ist am Samstag immer was los und es kommt keine Langeweile auf.“

Deine Freiheit

Welche Freiheit kannst du dir in deinem Beruf nehmen, um die bestmögliche Arbeit abzuliefern? Wo kannst du früher oder später anfangen, Tageszeiten verschieben, Wochenenden anders legen? Wie kannst du deine Zeit am besten nutzen, um eine optimale Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu erreichen? Ich lerne immer gerne dazu und freue mich über deine Ideen und Vorschläge oder auch Schwierigkeiten in den Kommentaren.

Das ganze Thema Zeit und Zeitmanagement wächst dir über den Kopf? Du kannst nicht mehr abschalten – oder schiebst ständig alles vor dir her? Dann ist es vielleicht an der Zeit, dass wir beide uns mal persönlich kennenlernen. Zum Beispiel im Rahmen meines Test-Coachings.





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Was meine Klienten sagen:

"Mir Hilfe bei dir zu suchen war die beste Entscheidung, die ich in den letzten Jahren getroffen habe." - Sabrina F. (D)

"Das strukturierte Arbeiten hat mir besonders gut gefallen." - Irene W. (D)

"Wenn du mir vorher erzählt hättest, was sich in diesen vier Wochen Coaching alles für mich verändert, ich hätte es nicht geglaubt." - Michalis P. (Hamburg)