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Bis du auch so gut darin, zu wissen, was du nicht willst?
Und dann immer wieder frustriert, weil du es trotzdem ständig bekommst? Oder etwas anderes, was du nicht willst?

Die Sache ist die: nicht funktioniert nicht.
Die einen sagen, „weil das Universum das Wort nicht nicht versteht“. So wie bei kleinen Kindern, die nur noch schneller laufen, wenn man sagt „Lauf nicht so schnell“.
Die anderen sagen (u.a. die Psychologen der Tufts University*, die das wissenschaftlich belegt haben), dass unser Gehirn Schwierigkeiten hat, negative Botschaften zu verarbeiten.
Wir übersehen Negationen wie „nicht“ und „kein“, weil Bilder und Emotionen in der einen und Sprache in der anderen Gehirnhälfte ankommen und verarbeitet werden. Da sich „nicht“ nicht bildlich darstellen lässt, sehen wir also bei der Aufforderung: „Denk nicht an einen kühlen, blauen Pool“ einen kühlen blauen Pool vor uns – denn für „nicht Pool“ haben wir kein Bild im Kopf.

Ich möchte dem noch eine weitere Facette hinzufügen, warum wir von dem, was wir nicht wollen, nur so schwer loskommen.
Weil „nicht“ zu viele Möglichkeiten offen lässt.

Darauf gekommen bin ich durch die Trennungswelle, die im letzten Jahr durch meinen Freundes- und Klientenkreis geschwappt ist. Nun, wo die größte Trauer bei den meisten verarbeitet ist, höre ich immer wieder „Ich will nicht mehr alleine sein“. Natürlich verstehen wir sofort, was damit gemeint ist. Aber als Handlungsanweisung an dich – oder auch an das Universum – lässt es zu viele Möglichkeiten offen.

Du wärst nicht mehr alleine, wenn:


Du siehst, der neue Partner, den du eigentlich mit „nicht mehr allein sein“ meinst, steht irgendwo in dem ganzen Wust an Möglichkeiten, wie du nicht mehr allein sein musst.



Es wäre also viel einfacher, zu sagen: „Ich möchte einen neuen Partner kennenlernen.“ Wie ich in einem früheren Artikel über „Die Diva“ – aka unser Gehirn – schon mal geschrieben habe, hat das sogar einen doppelten Nutzen. Denn unser Gehirn versucht immer, uns Lösungen für unsere Probleme anzubieten. Und zwar so lange, bis etwas Passendes dabei ist. Wenn ich also sage, ich will nicht mehr allein sein, wandert es unfokussiert auf der weiten Fläche des Lebens hin und her und kommt mit allem möglichen und unmöglichen Unsinn an (natürlich erst, nachdem es das „nicht“ verarbeitet hat). Wenn ich aber sage: „Ich möchte einen neuen Partner kennenlernen“, hat unser Gehirn ein Ziel: Wie kann ich einen neuen Partner kennenlernen? Wo? Durch wen? Was kann ich unternehmen, wo kann ich mich zeigen, wie kann ich ihn ansprechen – oder mich ansprechen lassen? Je spezifischer wir mit dem werden, was wir wollen – soll es ein Mann oder eine Frau sein? Wie will ich mich in seiner/ihrer Gegenwart fühlen? Welche Interessen würde ich gerne teilen? etc. – desto genauer kann unser Gehirn arbeiten und uns helfen, unser Ziel zu erreichen.

Das Gleiche gilt natürlich auch für Wünsche, die unsere Beziehung mit uns selbst betreffen:
Ich will nicht mehr viel fernsehen. -> Ich will noch mehr fernsehen? Ich will mehr Zeit am Computer verbringen? Ich will einfach so stumm auf der Couch sitzen? Ich will früher schlafen gehen? Ich will …
Besser wäre doch: Ich will mehr Zeit in der Natur verbringen. Ich will zwei Mal die Woche zum Sport gehen. Ich will einen Sprachkurs belegen. Ich will mich mit Freunden treffen.
Das sind alles Ziele, die das Gehirn sofort umsetzen kann.

Und du hast es dir gedacht: Beim Geld funktioniert es ohne „nicht“ ebenfalls besser.
Wie oft hatte ich den Gedanken: „Ich will nicht mehr am Ende des Monats so tief in den Miesen sein.“ Und was hat es genützt? Nix. Mal war ich weniger tief in den Miesen, mal gerade so auf Null, es gab auch Zeiten, da waren noch 150 Euro übrig … Erst, als ich angefangen habe, zu sagen, was ich wirklich will, hat sich etwas verändert. Ich gehe so etwas immer in kleinen Schritten an. Das stärkt zum einen mein Vertrauen in mich, weil ich ständig kleine Zwischenziele erreiche. Zum anderen kenne ich mich inzwischen zu gut und weiß, dass ich dazu neige, mich zu überfordern, und wenn dann etwas nicht ganz so läuft, wie geplant, werfe ich gleich alles wieder hin.

Deshalb hieß es zuerst: Ich will am Ende des Monats noch mindestens 200 Euro auf dem Konto haben.
Nachdem das eine ganze Zeit geklappt hat, wurden daraus 500 Euro.
Als Nächstes folgte: Ich will drei Monatsausgaben auf einem gesonderten Sparbuch haben (für Krankheit, Urlaub, schlechte Zeiten).
Ob der monatliche Sparplan, der nächste Urlaub, ein neuer Schrank …
Immer: Ich will – anstatt ich will nicht.

Je fokussierter wir unsere Gedanken einsetzen, desto fokussierter werden unsere Taten. Und umso schneller erreichen wir unser Ziel. In der Beziehung zu anderen Menschen, in der Beziehung zu uns, und in der Beziehung zu unserem Geld.

 Also Schluss mit „Ich will nicht nichts“ und her mit „Ich will alles“ – einen fokussierten Schritt nach dem anderen.


*Nieuwland MS and Kuperberg GR. 2008. When the truth is not too hard to handle: an event-related potential study on the pragmatics of negation.