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Was ist das Gegenteil von Liebe?

Früher hätte ich spontan gesagt: Hass. Aber heute weiß ich, das Gegenteil von Liebe ist Angst.

Mit Hass fühlen wir uns sicherer. Er ist gegen etwas gerichtet, geht nach außen, ist eine Kraft nach vorne.
Angst hingegen ist etwas in uns. Gegen uns. Sie lässt sich uns klein fühlen.

Angst ist das Gegenteil von Liebe.

Du hasst deinen Kontostand nicht,
du hast Angst davor, dass du etwas in deinem Leben ändern musst.

Du hasst deinen vollen Terminkalender nicht,
du hast Angst davor, was oder wer du ohne diese Termine wärst, was andere oder du über dich denken, wenn du nicht alles schaffst, was du glaubst, schaffen zu müssen.

Du hasst deinen Exmann nicht,
du hast Angst, dass er dich nicht wertschätzt.

Du hasst deinen Job nicht,
du hast Angst davor, dass du für immer in ihm feststecken könntest.

Du hasst nicht die Vorstellung, dich von deinem Partner zu trennen,
du hast Angst davor, was danach kommt.

Wir hassen nicht Andersgläubige,
wir haben Angst davor, dass wir zu kurz kommen, dass man uns vergisst, an den Rand drängt.

Liebe ist das Gegenteil von Angst.

Liebe ist im Deutschen ein schwereres Wort.
„We are all love“ klingt weit weniger kitschig als „Wir sind alle Liebe“.
Und doch komme ich langsam dahin, das Wort Liebe zu mögen, ihm seinen Pathos abzuklopfen und das Gefühl, das Sein dahinter zu spüren.

Was würde sich ändern, wenn wir uns eingestehen, dass wir nicht hassen, sondern einfach Angst haben?
Und wenn wir uns in diesen Momenten fragen:

Was würde Liebe tun?

– und entsprechend handeln?