Ivonne Senn

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin ja immer sehr schnell dabei, die Schuld für alles Mögliche bei mir zu suchen.

Onlinestatus meiner Paketverfolgung. „Ihre Sendung konnte heute nicht zugestellt werden.“
Meine Gedanken: „Aber ich war doch extra den ganzen Tag zu Hause. Hab ich die Klingel überhört? Oder funktioniert sie wieder nicht? Ich habe aber überhaupt keinen DHL-Wagen gesehen. Normalerweise schlagen die Hunde doch auch sofort an, wenn jemand an der Pforte steht …“

Die Sache mit einem Freund, den ich am Start seines vierzehntägigen Rallyeabenteuers verabschieden wollte. Gemäß seiner Startnummer sollte er gegen 13.30 Uhr dran sein. Als ich um Viertel vor eins anrufe, um zu fragen, wo genau ich denn hinkommen soll, höre ich. „Wir sind schon am Start und in zwei Minuten weg.“
Meine Gedanken: „Oh nein, jetzt habe ich ihn im Stich gelassen. Ich bin unzuverlässig. Ich hätte gleich morgens da sein sollen, um es nicht zu verpassen. Jetzt denkt er, er wäre mir nicht wichtig …“

Die Workshopteilnehmerin, die meine E-Mail mit den näheren Informationen nicht bekommen hat.
Meine Gedanken: „Oh Gott, hab ich vergessen, sie in den Verteiler aufzunehmen? Nein, da ist sie ja. Wieso hat sie die Mail nicht erhalten? Was hab ich falsch gemacht. Und ist das vielleicht allen so gegangen? Schnell noch mal eine E-Mail hinterherschicken, mich entschuldigen … Mein Gott, das wirkt ja total unprofessionell, jetzt will bestimmt keiner mehr kommen …“

Bis du auch so gut darin, zu wissen, was du nicht willst?
Und dann immer wieder frustriert, weil du es trotzdem ständig bekommst? Oder etwas anderes, was du nicht willst?

Die Sache ist die: nicht funktioniert nicht.
Die einen sagen, „weil das Universum das Wort nicht nicht versteht“. So wie bei kleinen Kindern, die nur noch schneller laufen, wenn man sagt „Lauf nicht so schnell“.
Die anderen sagen (u.a. die Psychologen der Tufts University*, die das wissenschaftlich belegt haben), dass unser Gehirn Schwierigkeiten hat, negative Botschaften zu verarbeiten.
Wir übersehen Negationen wie „nicht“ und „kein“, weil Bilder und Emotionen in der einen und Sprache in der anderen Gehirnhälfte ankommen und verarbeitet werden. Da sich „nicht“ nicht bildlich darstellen lässt, sehen wir also bei der Aufforderung: „Denk nicht an einen kühlen, blauen Pool“ einen kühlen blauen Pool vor uns – denn für „nicht Pool“ haben wir kein Bild im Kopf.

Ich möchte dem noch eine weitere Facette hinzufügen, warum wir von dem, was wir nicht wollen, nur so schwer loskommen.
Weil „nicht“ zu viele Möglichkeiten offen lässt.

Darauf gekommen bin ich durch die Trennungswelle, die im letzten Jahr durch meinen Freundes- und Klientenkreis geschwappt ist. Nun, wo die größte Trauer bei den meisten verarbeitet ist, höre ich immer wieder „Ich will nicht mehr alleine sein“. Natürlich verstehen wir sofort, was damit gemeint ist. Aber als Handlungsanweisung an dich – oder auch an das Universum – lässt es zu viele Möglichkeiten offen.

Du wärst nicht mehr alleine, wenn:

  • ein krankes Elternteil bei dir einzieht
  • du ungeplant schwanger wirst
  • das erwachsene Kind auf einmal wieder vor der Tür steht
  • der Kammerjäger deine Wohnung wegen Mäusebefall gründlich ausräuchern musst und du vorübergehend bei Freunden unterkommen musst (das Beispiel habe ich mir tatsächlich nicht ausgedacht)
  • Die derzeitigen Gewitter dein Dorf zerstören und du in eine Notunterkunft ziehen musst
  • oder du einen neuen Partner kennenlernst, der das Alleinsein vertreibt.


Du siehst, der neue Partner, den du eigentlich mit „nicht mehr allein sein“ meinst, steht irgendwo in dem ganzen Wust an Möglichkeiten, wie du nicht mehr allein sein musst.

Es ist uns peinlich, wenn wir mit unserem Geld nicht zurechtkommen, oder? Wir hätten zwar gerne jemanden, der uns rettet, der uns hilft, aber zugeben, dass wir Hilfe brauchen … Was sollen denn die Leute denken?

Also arbeiten wir weiter hart daran, die Fassade aufrechtzuerhalten. Tun so, als sei alles in Ordnung. Reden uns ein, dass es doch auch allein irgendwie zu schaffen sein muss. Wursteln uns so durch und sind es gleichzeitig so unendlich leid. Wäre es doch nur ein medizinisches Problem, dann könnte man sich Hilfe bei einem Arzt suchen. Oder ein Gewichtsproblem, dann könnte man sich Hilfe bei einem Ernährungsberater suchen. Oder irgendetwas anderes als ausgerechnet ein Problem mit Geld. Wenn das rauskommt … was sollen denn die Leute denken?

Tja, gute Frage. Was hättest du denn gerne, das die Leute von dir denken?

Schreib's einfach mal auf.

Das sollen die Leute von mir denken:

1.

2.

3.

4.

5.

Gut.

Nun schreib dazu, wie du dich verhalten müsstest, damit die Leute genau das von dir denken.

Okay, und jetzt verrate ich dir, was die Leute wirklich von dir denken:

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Was meine Klienten sagen:

"Mir Hilfe bei dir zu suchen war die beste Entscheidung, die ich in den letzten Jahren getroffen habe." - Sabrina F. (D)

"Das strukturierte Arbeiten hat mir besonders gut gefallen." - Irene W. (D)

"Wenn du mir vorher erzählt hättest, was sich in diesen vier Wochen Coaching alles für mich verändert, ich hätte es nicht geglaubt." - Michalis P. (Hamburg)