Ivonne Senn

„Darf ich euch mal was fragen?“ Ich saß mit einem Bekannten und einem Gin Tonic morgens um drei vor einem Lokal am Hans-Albers-Platz, als das Mädchen von der anderen Seite der Bierbankgarnitur uns ansprach. „Was macht ihr beruflich? Und wolltet ihr das immer schon machen?“ Sie war jung, geschätzte 20 oder 21. Und wurde von den Zweifeln befallen, die einen manchmal nachts in dem Moment, wenn man auf der Grenze zwischen angeschickert und betrunken balanciert, hinterrücks aus dem Gleichgewicht bringen. Ob sie sich richtig entschieden hatte mit dem Jurastudium, das sie nächste Woche beginnen würde. In ihrer Stimme schwang die Angst mit, für immer in diesem Beruf gefangen zu sein, selbst wenn er ihr nicht gefallen sollte. Erstickt zu werden von einer Entscheidung, die sie in einem Alter treffen musste, in dem sie doch eigentlich noch gar nichts von der Welt und von ihren eigenen Vorlieben und Talenten wusste.
Die unterschwellige Frage war: Tue ich das Richtige?
Das Richtige.

Wir streben so sehr danach, aber so, wie die meisten Menschen es sehen, so, wie es uns beigebracht wird, ist das Richtige ein unerreichbares Ideal. Wie Perfektion. Eine Unumstößlichkeit, die sich niemals ändern wird.

***

Ich habe den richtigen Studiengang gewählt.

BWL. Denn damals dachte ich, ich würde mal ganz groß im Finanzbereich rauskommen. Bis ich feststellte, dass Finanzen mir so gar nicht liegen.

Ich erinnere mich noch gut an eines meiner ersten Bewerbungsgespräche nach dem Studium. Die Agentur hatte einen hervorragenden Ruf, das Gehalt stimmte auch, aber die Vorstellungen, die mein potenzieller Chef und ich von meinen zukünftigen Aufgaben hatten, wichen sehr voneinander ab. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Solche Jobs gab es auch damals nicht in Hülle und Fülle, wäre es da nicht vermessen, das Angebot ausschlagen, nur weil die Arbeit mir nicht gefiel?

An diesem Tag gab mein Vater mir einen Rat, an den er sich inzwischen gar nicht mehr erinnern kann, den ich aber seitdem beherzige.

Das Arbeitsleben besteht aus drei Teilen:
1. Die Arbeit – die Tätigkeit, die man ausübt.
2. Das Umfeld - Kollegen, Chefs, Stimmung, Atmosphäre.
3. Das Geld – Gehalt, Zuschüsse, Beteiligungen, Boni.

Gerade habe ich mir das erste von drei Zugtickets gekauft, die ich in den nächsten Monaten brauche. Es war ganz leicht – ich wusste, von wo ich abfahren wollte (Hamburg) und wo ich ankommen wollte (Berlin). Dann einfach die beste Verbindung heraussuchen und buchen.

Auf Reisen ist es uns so klar, wie es geht. Erst bestimmen, wo wir sind, dann, wohin wir wollen, und als Letztes den besten Weg dorthin heraussuchen. Fertig.
Wenn es um unsere finanzielle Reise geht, kriegen wir die Reihenfolge aber irgendwie immer durcheinander – oder vergessen die Hälfte. Wir wissen oft, wo wir hinwollen – okay, wir meinen zu wissen, wo wir hinwollen. Nämlich zu mehr Geld. Einige von uns überlegen auch angestrengt den besten Weg dorthin. Aber kaum jemand macht sich die Mühe, erst einmal zu gucken, wo er denn überhaupt gerade ist. Was, wenn man die Metapher des Reisens noch ein wenig strapaziert, ziemlich unlogisch ist. Denn wie soll man den besten Weg ans Ziel finden, wenn man gar nicht weiß, wo die Reise losgeht? Hinzu kommt, dass das Ziel „Mehr Geld“ auch so seine Tücken hat … wusstest du, dass es alleine 29 Städte auf der Welt gibt, die Hamburg heißen? Da sollte man in seinem Navi schon das richtige Hamburg eingeben, wenn man zum VIP-Tag zu mir will :-)

Also, erster Punkt der Planung deiner finanziellen Reise: Standortbestimmung. Dafür brauchst du ein paar Zahlen – und dein Jahresgehalt zählt nicht dazu. Interessant, oder? Aber die Standortbestimmung fängt mit der Zahl an, die ich den Nettowert nenne. Das ist alles, was du besitzt, abzüglich allem, was du irgendjemandem schuldest. Man muss sich schon ein wenig Zeit nehmen, um ihn zu bestimmen, aber dafür kennst du dich danach in deinem Haus und deinen Unterlagen besser aus, als du es je für möglich gehalten hast.

Stell dir vor, du würdest morgen zu deiner großen Liebe oder für deinen Traumjob ans andere Ende der Welt ziehen und müsstest vorher alles verkaufen, was du besitzt. Und alle deine Schulden abzahlen, sonst lässt man dich hier nicht weg. Dazu teilst du alles, was du hast, in folgende Kategorien auf:

Geldbringer, Geldnehmer und Geldvernichter.

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"Mir Hilfe bei dir zu suchen war die beste Entscheidung, die ich in den letzten Jahren getroffen habe." - Sabrina F. (D)

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